Klimaschutz ist Überlebensstrategie

Kolumne vom 28.6.2018

Auf dem Weg, seine Klimaschutz-Ziele zu erreichen kommt Deutschland nicht voran. Statt – wie geplant – bis 2020 die klimaschädlichen Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken, haben wir bestenfalls mit einem Minus von etwa 32 Prozent zu rechnen. Das liegt zum größten Teil am Stromexport deutscher Kohlekraftwerke, aber selbstverständlich hat auch der vom Verkehr verursachte Schadstoffausstoß seinen Anteil daran, dass von einer wirklichen Energiewende keine Rede sein kann.

Wir erinnern uns an das Pariser Abkommen, mit dem vor drei Jahren weltweit die Hoffnung geweckt wurde, wir könnten den erwarteten Anstieg der Erdtemperatur auf unter zwei Grad begrenzen, um auch für die nächsten Generationen einen stabilen Meeresspiegel wie eine ausreichende Nahrungsmittelproduktion zu sichern. Bis 2050 dürfte Deutschland nur noch 9,9 Milliarden Tonnen CO2 produzieren, also pro Jahr 217 Millionen Tonnen. Genau diese Menge hatten wir am 28. März verbucht und leben somit noch ein Dreivierteljahr auf Pump. Bundesumweltministerin Swenja Schulze hat das vor mein paar Tagen bestätigt: „ Vor allem wurde überschätzt, was die bisherigen Maßnahmen bewirken. Sie reichen schlicht nicht.“

Auch der „Petersberger Klimadialog“ zur Vorbereitung des nächsten Klimagipfels zum Jahresende in Kattowitz machte wenig Hoffnung, obwohl einige Länder beim Klimaschutz aufgeholt haben – Deutschland aber tritt auf der Stelle. Ich unterschätze keineswegs die Seriosität des Problems, um den Preis des sozialen Friedens einen dringend notwendigen Ausstieg aus der Kohle für die Energieproduktion mit Augenmass und teuren Fördermaßnahmen für die Menschen in den Braunkohlegebieten verträglich zu gestalten. Aber wie soll man einem Energiearbeiter erklären, dass sein Job aus Gründen des Klimaschutzes zur Disposition steht, während der Einstieg eines südostasiatischen Luftfahrtunternehmens in den deutschen Billigflieger-Markt in Berlin mit einer Art Staatsakt gefeiert wird? Ein 12-Stunden-Flug für 175 € mit „Scoot“ von Singapur nach Berlin-Tegel war das Superschnäppchen der vergangenen Woche. Der Preis wird sicher noch etwas steigen, aber da die Fluggesellschaft und der Berliner Flughafenchef auf das junge Publikum der „Millenials“ setzt, das sich ins Berliner Partygetümmel stürzen will, darf es auch nicht zu teuer werden. Tegel verdient nichts dabei, Fragen nach Kerosinsteuer und Mehrwertsteuer für internationale Flüge erübrigen sich  – Hauptsache, endlich wieder eine non-stop Langstreckenverbindung in die deutsche Hauptstadt.  Der Luftverkehr wächst weltweit um vier Prozent pro Jahr, allein seine CO2-Emissionen tragen zu fünf Prozent zur globalen Erwärmung bei, weitere Stickoxide in den höheren Luftschichten vergrößern die Negativwirkung auf das Klima. Für den Singapur-Berlin-Trip sollte jedem Flugpassagier als kleine Aufmerksamkeit im Namen der Weltbevölkerung ein t-Shirt überreicht werden. Mein Textvorschlag „Ich habe 2,5 t CO2 mit nur einem Flug erreicht.“  Das soll dem Budget eines Durchschnitts-Berliners für fünf Monate entsprechen.

Mein Fazit: Klimapolitik nur in die Verantwortung der Politiker zu delegieren, von einem Klimagipfel zum nächsten auf die alles lösenden Entscheidungen zu warten, das ist der sichere Weg diese Welt bald unbewohnbar zu machen. Wenn das Bewußtsein nicht wächst, dass wir alle unseren Teil der Verantwortung tragen müssen, dass Klimaschutz Überlebensstrategie ist, wird sich die Frage nach den billigsten Flügen um die Welt ohnehin von selber lösen.

Die Kolumne erschien am 28.6.2018 in der Berliner Zeitung und in der Frankfurter Rundschau.

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