Die Öffentlich-rechtlichen brauchen unseren Schutz

Wir sollten Medien schützen, die Orientierung bieten und denen man vertrauen kann. Dazu zählen ARD und ZDF.
Kolumne vom 2.11.2017

Es klafft derzeit eine Lücke zwischen Selbstverständnis und Selbstbehauptung der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf der einen Seite und ihrer Wahrnehmung und massiven Kritik auf der anderen – der Seite von Zuschauern und Hörern.

Wohl zu keiner Zeit wurde so grundsätzlich bezweifelt, dass publizistische, ethisch-moralische und gesellschaftliche Standards noch funktionieren, dass die Grundsätze der „Sachlichkeit, Objektivität, Ausgewogenheit, Unabhängigkeit und Fairness“ (laut ZDF-Selbstverpflichtung) eingehalten werden. Hohngelächter erntet, wer behauptet, die Gebühren in Form einer Pflichtabgabe würden für adäquate Programme entrichtet. Der schlimmste Vorwurf aber: Politische Unabhängigkeit sei nicht mehr gegeben.

So kommt es, dass jene, die ARD, ZDF und Deutschlandfunk immer noch aus Prinzip verteidigen und nicht von vornherein deren grundsätzliche Erfüllung des Bildungs- und Informationsauftrags in Zweifel ziehen, von vielen im Internet geächtet werden. Der Kampfbegriff „Lügenpresse“ hat sich scheinbar in ein waberndes Grundgefühl verwandelt. Auch Hörfunk und Fernsehen stehen unter Generalverdacht, nicht mehr für die Bürger dieses Landes zu berichten sondern gegen sie zu arbeiten.

Das ist eine fatale Entwicklung, die keinen mehr ruhig nach dem „heute-journal“ oder den „Tagesthemen“ einschlafen lassen sollte. Längst will nicht nur die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen.

So hat Sachsen-Anhalts Medienminister Rainer Robra verkündet, das ZDF genüge als nationaler Sender vollkommen, die ARD solle sich auf Regionales beschränken. So viel Beschränkung war dann selbst in seinen CDU-Kreisen zu heftig und Robra musste vor laufender Kamera zurückrudern. Aber das Signal bleibt. Die frisch ins Parlament gewählten Rechtspopulisten wissen, dass ihre Propaganda wirkt.

Nun haben die Öffentlich-Rechtlichen einiges nachzuholen, sie müssen glaubhaft ihre Strukturreformen in verständlicher Sprache unter die Leute bringen und den allgemeinen Verdacht der Selbstbedienung aus dem Gebührentopf mit Sparprogrammen und Effektivitätsversprechen begegnen.

Und sie müssen jeden Zweifel ausräumen, politischen Gefälligkeitsjournalismus zu betreiben. Der Sündenfall, dem Wunsch der Kanzlerin nachzugeben, wie das Wahlkampf-Duell mit ihrem Herausforderer zu laufen hat, ist ein Beispiel. Hinzu kommt ein Misstrauen gegenüber intransparent besetzten Rundfunkräten und deren Wahrnehmung ihrer Aufsichtspflicht bei Beschwerden.

Wer mit journalistischem Background Redakteuren der Tagesschau Beispiele für einen Verlautbarungscharakter regierungsnaher Kreise nachweist und als Antwort den Unfehlbarkeitsanspruch der Redaktion erfährt, der ist auf Öffentlich-Rechtliche nicht gut zu sprechen. Nachzulesen in dem Buch „Die Macht um Acht – Der Faktor Tagesschau“, an dem zwei ehemalige NDR-Mitarbeiter beteiligt waren.

In einer durch das Internet geprägten Medienlandschaft ist der freie Zugang zu verlässlicher und unabhängiger Information nicht mehr selbstverständlich. Die Kommunikation über Social Media schafft geschlossene und selbstreferentielle Räume. Ein Tummelplatz für fehlerhafte oder interessengeleitete Information! Deshalb verdienen Medien, die Orientierung bieten und denen man vertrauen kann, unseren Schutz.

Die Kolumne erschien zeitgleich in der Berliner Zeitung und in der Frankfurter Rundschau

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