Kurt Westergaard ist tot

Im Juni 2014 war Kurt Westergaard der Einladung von Klaus Staeck zu Gast in der Akademie der Künste. Foto Manfred Mayer

Für Kurt Westergaard waren Karikaturen Symbole der Meinungsfreiheit. „Die Mächtigen dieser Welt fürchten, glaube ich, die satirische Karikatur mehr als Berge analysierender Artikel. Denn die Zeichnung ist ein Appell, den keine Analyse leisten kann. Satire kommt nicht von ungefähr. Es gibt immer eine Provokation,“ sagte Westergaard in einem Gespräch, das ich gemeinsam mit Till Mette und Klaus Stuttmann mit ihm führte.

In seinem Nachruf erinnert Harry Nutt am 20. Juli 2021 in der Frankfurter Rundschau an den satirischen Zeichner. Westergaards Name sei untrennbar verbunden mit der Mohammed-Karikatur, die in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten erschienen war, was ihn in große Gefahr brachte und sein Leben für immer veränderte. Es war zu Demonstrationen in muslimischen Ländern gekommen, bei denen Menschen starben.

„Als Karikaturen-Streit gingen die sich anschließenden Diskussionen nicht allein deshalb in die Zeitgeschichte ein, weil in ihnen deutlich wurde, wie bedroht die Freiheit der Kunst im Kontext eines weltweiten religiösen Fanatismus ist. Wochenlang wurde immer wieder auch die Frage verhandelt, inwieweit die Karikaturen gezielt auf eine Verletzung religiöser Gefühle aus waren und dadurch die Grenze der Kunstfreiheit überschritten sei. In der Folge der kontroversen Debatte kam es in vielen Medien zu erneuten Veröffentlichungen der Karikaturen, die weitere Proteste auslösten. Kurt Westergaard wurde zum markantesten Gesicht der politischen Karikaturenkunst, wohl auch deshalb, weil er seine Arbeiten vehement verteidigte. 2010 entging er nur knapp einem Anschlag durch einen somalischen Asylbewerber in seinem Haus.

Trotz der permanenten Bedrohung war der 1935 im dänischen Dostrup geborene Westergaard bemüht, seine künstlerische Neugier und Lebensfreude nicht zu verlieren. Gern bezeichnete er sich als kulturradikalen und multikulturellen Provokateur. In diesem Sinne wollte er seine Karikaturen denn auch nicht als anti-muslimische Attacke verstanden wissen. Vielmehr ging es ihm um die Entlarvung radikal-muslimischer Motive unter dem Deckmantel von Glaubensfragen.

Kurt Westergaard, zu dessen künstlerischen Freunden Klaus Staeck gehört, der langjährige Präsident der Akademie der Künste in Berlin, begann erst in den achtziger Jahren, Zeichnungen und Karikaturen zu veröffentlichen, die der frühere Lehrer als Kommentare zur Meinungsfreiheit verstanden wissen wollte. Wie jetzt bekannt wurde, ist er am 14. Juli, einen Tag nach seinem 86. Geburtstag, nach längerer Krankheit in Kopenhagen gestorben.“ (Harry Nutt)

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