Glückwunsch an Serhij Zhadan

Der ukrainische Schriftsteller und Musiker Serhij Zhadan erhält im Oktober 2022 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Serhij Zhadan (2.v.l.) beim Akademie-Gespräch am 31.03.2014 in Berlin.

Serhij Zhadans Worte „Der Krieg liegt in der Luft“ bezog sich damals auf die Annexion der Krim und die von Russland gesteuerten militärischen Aktionen der Separatisten im Osten der Ukraine. Die düstere Prophezeihung wurde am 24. Februar 2022 zur brutalen Realität. Zhadan setzte sich damals in der Gesprächsrunde für die Stärkung der ukrainischen Zivilgesellschaft ein, um auf demokratischem Weg die Herrschaft der Oligarchen zu beenden, die bisher die Machtverteilung im Staate bestimmt haben. Heute unterstützt er den Kampf der ukrainischen Armee in Wort und Tat.

»Wir ehren den ukrainischen Schriftsteller und Musiker für sein herausragendes künstlerisches Werk sowie für seine humanitäre Haltung, mit der er sich den Menschen im Krieg zuwendet und ihnen unter Einsatz seines Lebens hilft«, heißt es in der Mitteilung des Stiftungsrats des Friedenspreises. In seinen Romanen, Essays, Gedichten und Songtexten führe Zhadan „in eine Welt, die große Umbrüche erfahren hat und zugleich von der Tradition lebt. Seine Texte erzählen, wie Krieg und Zerstörung in diese Welt einziehen und die Menschen erschüttern. “ Eindringlich und differenziert führe er uns vor Augen, was viele lange nicht sehen wollten. Nachdenklich und zuhörend, in poetischem und radikalem Ton erkunde Serhij Zhadan, „wie die Menschen in der Ukraine trotz aller Gewalt versuchen, ein unabhängiges, von Frieden und Freiheit bestimmtes Leben zu führen“.

Das 51. Akademiegespräch, das am 31. März 2014 in der Akademie der Künste am Pariser Platz stattfand, hier als Video dokumentiert.

Es ist mehr als ein Krieg Putins gegen die Ukraine

Der russische Diktator bekämpft seit der Krim-Annexion und der Unterstützung russischer Separatisten im Donbas auch unsere Demokratie und ihre Ausstrahlung auf die russische Bevölkerung.
Als Präsident der Akademie der Künste hatte ich am 31. März 2014 zu einem Akademie-Gespräch „Bericht aus der Ukraine“ eingeladen. Schon damals drohte die Ausweitung zu einem Krieg, der über die nationalen Grenzen der Region hinausgeht.
Vielleicht haben wir die düsteren Prognosen der ukrainischen Autoren Serhij Zhadan und Jurko Prochasko aus Charkiw und Lwiw/Lemberg damals noch unterschätzt, so wie wir Putin als hemmungslosen Aggressor nicht wahrnehmen wollten.
Hier kann man dieses Gespräch, das ZEITZEUGEN TV im Auftrag der Akademie der Künste dokumentiert hat, noch einmal sehen (Link zum Video):

WIEDERVORLAGE – Ausstellung in Stuttgart

KLAUS STAECK: WIEDERVORLAGE – PLAKATE UND OBJEKTE

Klaus Staeck, politischer Künstler, Aktivist und erfolgreicher Präsident der Akademie der Künste in Berlin (2006-2015), kommentiert seit einem halben Jahrhundert das Geschehen in Politik, Gesellschaft und Kultur der Bundesrepublik Deutschland mit provozierenden, bissigen und zielgenauen Plakaten. 

Seine verbale und visuelle Sprache ist griffig, klar und komplex zugleich. Seine künstlerische Methode beruht in der Regel auf Travestie, die Mittel sind Satire und Ironie. Viele seiner zündenden Sentenzen sind längst sprichwörtlich geworden. Und ebenso viele haben über die Jahre nichts an Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil!

Eine repräsentative Auswahl seines umfangreichen Werks aus mehr als 300 Plakaten und Objekten, ausgewählt von Klaus Honnef, zeigt eindringlich, dass viele der politischen, sozialen und kulturellen Probleme ungelöst blieben, obwohl seit Jahrzenten auf der politischen Tagesordnung. Nicht wenige davon haben sich mittlerweile sogar noch bedrohlich verschärft: Klimawandel, bezahlbare Mieten, Fremdenhass, Gewaltbereitschaft und Bildung sind nur die wichtigsten Themen.

Nichts ist erledigt, ist Staecks Devise. Deshalb der Titel seiner Ausstellung bei ABTART: „Wiedervorlage“. Denn der Blick zurück auf 50 Jahre wechselvolle deutsche Geschichte in der Perspektive eines Künstlers, der den kritischen Blick auf die Realität mit dem pragmatischen Sinn für die Möglichkeiten zum Besseren verbindet, liefert keinen Grund, sich selbstzufrieden zurückzulehnen. „Wiedervorlage“ versteht sich aus gutem Grund als ein wiederholter Aufruf an jeden Einzelnen, jede Einzelne, endlich aufzuwachen und anzupacken. Politik ist eine Sache, die alle betrifft. Jederzeit.

Text: Klaus Honnef

ABTART – Galerie und Ausstellungshaus – Freiraum für zeitgenössische bildende Kunst. ABTART vertritt keine KünstlerInnen exklusiv, ist keine Programm-Galerie. In diesen Räumen herrscht Freiheit. Die Freiheit, unabhängig von Marktmechanismen, Kunst in verschiedensten Ausstellungsformaten zu präsentieren: von der Einzelausstellung bis hin zu kuratierten Gruppenausstellungen und dies in Räumlichkeiten mit Museumsqualität. Das Programm kuratiert Karin Abt-Straubinger, Galeristin, Sammlerin und Stifterin unter dem Credo »Kunst soll für alle zugänglich sein«. Der Großteil der ausgestellten Kunst kann gekauft werden, denn dies ist der direkteste Weg Kunst zu fördern. Unterstützt wird sie dabei von einem kleinen, aber hochambitionierten Team.

Die Kunst findet nicht im Saale statt!

Der politische Plakatkünstler Klaus Staeck

Film von Andreas Ammer, Erstsendung am 16.4.2020 im SWR, Wiederholung am 19.7.2020 in 3Sat
bis 19.7.2021 in der ARD-Mediathek

Die Premiere fand am 5.12.2019 zur Filmschau Baden-Württemberg in Stuttgart statt.

SWR Mediathek https://www.ardmediathek.de/swr/player/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEyMjg0MjY/die-kunst-findet-nicht-im-saale-statt-der-plakatkuenstler-klaus-staeck

Aus dem Pressetext: „Staeck wurde 1938 geboren. Das heißt, er gehört zu jener Generation von deutschen Intellektuellen, deren bewusstes Leben mit der Geschichte der Bundesrepublik in Eins fällt. Er hat diese Geschichte nicht nur künstlerisch begleitet und politisch kommentiert, sondern ist gestaltend ihr Teil geworden. Klaus Staeck gilt als bedeutendster politischer Grafiker und Plakatkünstler der Bundesrepublik, der mit seiner Kunst seit Ende der sechziger Jahre immer wieder pointiert und provokant die Missstände in Politik und Gesellschaft anprangert.

Andreas Ammer zeigt in seinem Dokumentarfilm ein eindrucksvolles, inspirierendes Bild des Künstlers, Aktivisten und Menschen Klaus Staeck. Er begibt sich mit ihm auf die Spuren seiner Kindheit in Bitterfeld, begleitet ihn zu wichtigen Stationen seines künstlerischen Schaffens in Heidelberg und Berlin und lässt Weggefährten aus Kunst und Politik zu Wort kommen – darunter der weltweit gefragte Verleger Gerhard Steidl sowie Martin Schulz und Monika Grütters. Dabei springt Ammer immer wieder zwischen den Zeiten – dem jungen und dem nun über 80-jährigen Klaus Staeck. Private Filmaufnahmen Staecks geben Einblicke in die frühe Zeit seiner Aktionskunst. Der Film erzählt spannend, informativ und einfühlsam – mit schönen Ruhepunkten, die Andreas Ammer gefühlvoll musikalisch untermalt.“

Stuttgarter Zeitung, 9.12.2019: „Manche Dinge darf man wirklich nicht sagen“