Brauchen wir eine Ökodiktatur?

Kolumne vom 8. August 2019

Es muss wohl um Höheres gehen, wenn der so viele Medien zeitgleich einen neuen Begriff promoten: Flugscham. Insoweit lagen die Organisatoren von „Fridays for Future“ ganz richtig, als sie kürzlich ihre Demo an den Tatort Flughafen Stuttgart verlegten, um an das schlechte Gewissen der Fluggäste zu appellieren. Welches Gewissen?

Stattdessen streiten wir um die überfällige Kerosinsteuer, Luftverkehrsabgabe und Dienstreisen der Bundesregierung Berlin – Bonn und retour. Wir waren uns übrigens schon einmal weitgehend einig, dass Inlandflüge ökologisch ein Vergehen sind. Während meiner neun Jahre Amtszeit als Präsident der Berliner Akademie der Künste hatte ich öfter Dienstreiseanträge der Mitarbeitenden zu unterzeichnen. Es waren stets die Angebote der Billigflieger, wollte man vor den Prüfern des Bundesrechnungshofes bestehen.

Klimaschutz: Keine Einsicht?

Möglicherweise ist es das Übermaß an Ermahnungen in Richtung Klima, das inzwischen eher abstumpft, als zur Einsicht führt. Aber geschehen muss etwas, darin sind sich die meisten Verantwortlichen einig. Schon vor vielen Jahren kam der ehemalige Industriemanager und Umweltaktivist Daniel Goeudevert zu der nüchternen Erkenntnis: Nicht einmal die größten Katastrophen werden die Menschen zu einem Umdenken in ihrem Handeln bringen.

Noch einen Schritt weiter geht jetzt der amerikanische Bestsellerautor Jonathan Franzen, wenn er in einem Interview in der Welt behauptet: „Das Spiel ist aus. Der Petrokonsumismus hat gewonnen“, und: „Wir sind gescheitert. Ende der Geschichte“. Immerhin rät er noch, sich als „ethische Übung“ auf den Artenschutz zu konzentrieren. In derselben Ausgabe der Welt konnte man übrigens im Sportteil ganzseitig ein Interview mit Rennfahrer Vettel lesen. Überschrieben: „Ferrari ist wie eine Lebensphilosophie“. Meinungsvielfalt mit beschränkter Haftung.

Kampf gegen Klimawandel: Mahnungen reichen nicht aus

Wer erinnert sich noch an Rudolf Bahro und sein Buch „Die Alternative“, in dem er der Ökodiktatur als einzigem Weg, die Umweltprobleme noch zu beherrschen, das Wort redet. Ähnliches las ich jetzt im Magazin Stern unter der Überschrift „Ende der Freiwilligkeit“. Mit einer für ein Massenblatt überraschenden Offenheit stellt der Stern-Autor Wüllenweber in einem Essay fest: „Im Kampf gegen den Klimawandel reichen Mahnungen und freiwillige Maßnahmen nicht mehr aus. Nur mit Verboten kann die Katastrophe abgewendet werden“.

Unter der Überschrift „Sozialistischer Klimaquatsch“ heißt es dagegen in der FAZ erwartungsgemäß: „Vernünftige Klimapolitik setzt auf den Markt – und nicht auf Verbote oder Verstaatlichungen“. Als Kronzeuge für diese These wird der neue Ober-Grüne Söder zitiert: „Wir überzeugen in der Welt nur durch bessere Technologie. Nicht durch Verbote“. Wie dieses Ziel mit seiner Forderung „der Verankerung des Klimaschutzes im Grundgesetz“ zu vereinbaren ist, bleibt sein Geheimnis.

Mit Blick auf meine eigenen Plakate zum Thema Umwelt werde ich immer sarkastischer. Inzwischen erwarte ich mehr vom nächsten Fluglotsenstreik, der gelegentlichen Vollsperrung eines Autobahnteilstückes, einem begrenzten Stromausfall. Und um ganz verwegen zu werden: Wie wäre es mit einem SUV-Käuferboykott und den nächsten Smartphone-freien Friday-Demos? Oder mit Energiesparen? Nur als Beispiele.

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