Deutsches Geld für Trump

Kolumne vom 11.1.2017

Morgen in einer Woche geht die Welt nicht unter. Ich sehe nicht so schwarz wie der Schriftsteller Daniel Kehlmann, dem Trumps Wahlsieg als „Anfang vom Ende der westlichen Demokratien“ erscheint. Aber der Möglichkeit, dass sich nicht nur die amerikanische Demokratie mit demokratischen Mitteln abschaffen ließe, sind wir schon ein Stück näher gekommen. Es gärt, und nicht nur im Untergrund. Als vor einigen Tagen ein ARD-Korrespondent mit deutlicher Ironie forderte: „Nehmt Trump das Smartphone weg!“, weil es ein Unding wäre, wenn sich eine Supermacht mit Twitterbefehlen regieren ließe, schlug die Kommentarwelle zurück. Deutsche Zuschauer empörten sich über mangelnden Respekt gegenüber der neuen Autorität. „Mr. President spricht mit seinem Volk und der Welt direkt. Das gefällt den Medien natürlich nicht … mir gefällts“, las ich bei tagesthemen.de.
Der Plassen Verlag aus Kulmbach hat im Mai 2016 offenbar geahnt, wie die Wahl ausgehen wird und Trumps „Wie ich Amerika retten werde“ inzwischen zweimal aufgelegt. In 17 Kapiteln plus Auflistung von persönlichen Finanzen und Immobilienbesitz offenbart uns dieses Meisterwerk narzisstischer Selbstdarstellungs- und unvergleichlicher Vereinfachungs-Kunst die tollsten Verheißungen. Vieles kennt man bereits aus den Wahlkampfreden – aber hier hat man das unverfälschte Original. Und man sollte es lesen, damit am Ende keiner sagen kann, nicht gewusst zu haben, welche radikalen Ziele der „zwielichtigste, korrupteste Bursche, der je ins Weiße Haus einzog“ (Julian Castro, zur Zeit noch US-Wohnungsbauminister) verfolgt.
Der nach eigener Aussage reichste Präsidentschaftskandidat der Geschichte, der einzige Milliardär, der je kandidiert hat, verspricht in allem Ernst, zu dem er fähig ist, mit seiner Milliardärsriege als Schattenkabinett das Land „von den Interessenvertretern des Großkapitals zurückzuholen“. Amerika müsse fortan wie die „Trump Organization“ – ein Konglomerat von Firmen, das Häuser im „Ultraluxussegment“ baut, Golfplätze betreibt und Parfüm herstellt – als „aggressives Unternehmen“ geführt werden. Für die Außenpolitik gibt er vor, nur noch von einer Position der Macht aus zu agieren, dafür werde die USA das mit Abstand stärkste Militär der Welt unterhalten. Man werde diejenigen belohnen, die das Trump-Amerika unterstützen, diejenigen bestrafen, die es nicht tun. „Als allererstes müssen wir unsere Fähigkeiten stärken, jemandem tatsächlich auch auf die Fresse hauen zu können.“ So will er die Philosophie des Skandal-Boxers Mike Tyson (der bekanntlich einem Gegner ein Ohr abgebissen hatte) in die Weltpolitik einbringen. Weil der zu erwartende Rüstungswahnsinn und die Großprojekte zur Reparatur der Infrastruktur einen Haufen Geld kosten werden und Trump nicht wenige Wähler mit dem Versprechen umfassender Steuersenkungen angelockt hat, müssen nun Geldgeber her. Er denkt an Saudi Arabien und Deutschland, weil die doch lange genug von amerikanischem Schutz profitiert haben und nun endlich dafür zahlen sollten. Auch Mexiko werde für die Grenzmauer eines Tages bezahlen müssen. „Glauben Sie mir, es geht. Niemand kann wie ich eine Mauer bauen.“ Heidelberg-Zement hat sofort reagiert und nun eine Nasenlänge Vorsprung vor den Konkurrenten. Vielleicht läßt sich der Beton aus meiner Heimatstadt als deutsche Kontributionszahlung abbuchen. „Vom Geschäftemachen versteht niemand mehr als ich.“ Hoffen wir, dass nur dieser Trump-Satz und kein schlimmerer am Ende seiner Amtszeit als politisches Vermächtnis bleibt.

Der Text erschien am 11.1.2017 in der Berliner Zeitung und in der Frankfurter Rundschau

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