Die Welt sollte sich Deutschland als Vorbild nehmen. Denn niemand sonst ist in der Lage, profitorientierte Banken mit Milliarden zu stützen, ganz Griechenland vor dem Kollaps zu retten, die enormen Staatsschulden endgültig abzubauen und gleichzeitig noch die Steuern zu senken für die Klientel einer kleinen Partei am Abgrund. Außerdem können wir zusätzlich die Sozialabgaben für Geringverdiener herunterschrauben, den Ärzten ein höheres Honorar zahlen und die epochale Energie-Wende aus der Portokasse finanzieren.
Als der letzte deutsche Kaiser in den Krieg ziehen wollte, da kannte er keine Parteien mehr. Was er stattdessen wollte, war bedingungslose, blinde Gefolgschaft. Zur Errichtung ihrer Diktatur verboten die Nazis erst die offen gegnerischen und dann alle anderen Parteien. Für Feldherren und Diktatoren müssen demokratische Parteien etwas Gefährliches sein. Auch ein Grund, der die demokratischen Parteien als unverzichtbar erscheinen lässt. Denn so ganz ohne Parteien ist eine funktionierende Demokratie nur schwer vorstellbar.
In Bahrain gibt es „viele nette Leute“. Wen könnte Formel-1-Greis Bernie Ecclestone wohl damit gemeint haben, als er jüngst die Neuauflage des Grand Prix im Wüstenstaat auf den 30. Oktober bejubelte. Bestimmt nicht die Mehrheit der rebellierenden Schiiten, die ihm schon seit Februar im wahrsten Sinne des Wortes die Tour vermasseln. Wohl eher die Macht habenden Sunniten im Lande. Wer fürs Image 25 Millionen Dollar für ein Formel 1-Rennen locker macht, dem verzeiht man auch ein paar Tote.
„So verbrennen die Griechen die schönen Euros“ oder „Hier bettelt der Grieche um unsere Milliarden“. So hetzt seit Wochen das größte deutsche Massenblatt gegen die vermeintlich geldgierigen „Pleite-Griechen“. Nicht bestimmte Politiker oder Staatsbeamte werden für die Finanzkrise angeprangert, sondern gut elf Millionen Griechen.
Noch immer kein Lebenszeichen von dem chinesischen Künstler Ai Weiwei, der zu den mutigsten Kritikern seines Landes zählt. Seit seiner Verhaftung am 3.April gilt er als verschwunden. Ein Zustand, der unter zivilisierten Staaten durch nichts zu rechtfertigen ist. Kein Wunder, dass die Vermutungen über Auseinandersetzungen innerhalb des nervös gewordenen chinesischen Machtapparates immer neue Nahrung finden.
Kürzlich hatte mich ein Alptraum unter die Räder des Jahres 2030 gebeamt. Der ewige Bernie Ecclestone – gegen eine Riesenkaution nach seiner Festnahme im Münchner Bestechungsskandal längst wieder auf freiem Gasfuß – feierte seinen Hundertsten inmitten seiner Boxenluder auf der brandneuen Formel-1-Strecke in Tripolis. Sebastian Vettel hatte sich schon früh von Vettel-Heppenheim in sein Schweizer Steuerparadies zurückgezogen.
Der Kampf gegen die Diktatoren dieser Welt war einmal breiter Konsens. Manch kritischer Kolumnist zeigt sich derzeit jedoch erstaunt, wieso Zeitgenossen mit „linker Vergangenheit“ den Kampf gegen Gaddafi unterstützen. Neben anderen „Alt-68ern“ würde auch ich einer „Schwarz-Weiß-Logik“ folgen, die zwar eine klare Haltung, aber keine Abwägung und Zweifel erkennen ließe. Was mich allerdings verwundert ist eine Debatte, die im Falle Libyen solange abwägt und abwartet, bis es nichts mehr abzuwägen gibt, bis Gaddafi mit dem Sieg über die Revolution vollendete Tatsachen geschaffen hat und sein „Frieden“ wieder hergestellt ist, auf Kosten von Freiheit und Leben seiner Gegner.
Gibt es im politischen Alltag eigentlich eine größere Schmach, als von einem Diktator mit dem „Charme“ eines Gaddafis für die besonnene, sprich unentschiedene Haltung gelobt zu werden? Verbunden mit dem unwiderstehlichen Angebot, Deutschland nach der Beendigung des Aufstands beim Wiederaufbau des Wüstenstaates wohlwollend zu berücksichtigen. Wer mag sich später noch an die brutale Niederschlagung der Aufständischen erinnern, locken erst einmal wieder lukrative Ölaufträge, Handelsabkommen und Bauvorhaben. Erinnern wir uns: Nach Gaddafis vermeintlicher Abkehr von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen war der Westen dem notorischen Menschenrechtsverletzter bald wieder wohlgesonnen.
Er gilt als Beschützer der Reisenden und des Verkehrs: Hermes, der Götterbote aus der antiken Mythologie. Ihre allerneueste „Mission Hermes 2011“ hätte die europäischen Grenzschützer von FRONTEX vielleicht besser nach Artemis, der griechischen Göttin der Jagd, benennen sollen. Bedenkt man, welchen „Schutz“ ihre Patrouillen afrikanischen Flüchtlingen auf ihrem Weg nach Europa bieten.
Klaus Staeck und Manfred Butzmann, Momentaufnahmen einer Künstlerfreundschaft – Ausstellung der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste im historischen Waisenhaus Potsdam vom 16. März bis 27. Mai 2011
Zur Eröffnung sprach Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburg und Schirmherr des Kulturland Brandenburg e.V.
Die Ausstellung umfasst Werke des Ostdeutschen Butzmann und des seit 1956 Westdeutschen Staeck, die eine dreißigjährige Künstlerfreundschaft verbindet. Platzeck erinnerte daran, dass beide Künstler mit ihren zeitkritischen Werken für die Politik unbequem waren und sind: „Für den Einen – Manfred Butzmann – führte diese Kompromisslosigkeit mehrfach zu Druckverboten seiner Werke in DDR. Der Andere – Klaus Staeck – bekam im Westen zuweilen mehr Druck, als ihm selbst lieb sein konnte. Abgeordnete entfernten seine Plakate von den Wänden und mussten doch einsehen: Dem kollektiven Gedächtnis waren viele seiner aufrüttelnden Kollagen nicht zu entreißen… Das gilt bis heute!“ Beide Künstler haben es nach Überzeugung Platzecks hervorragend verstanden, „zeitkritisch zu sein und zugleich die großen zeitlosen Ziele der Menschheit einzufordern: Meinungsfreiheit, Gerechtigkeit, Respekt für Menschen aller Herkunft und für ´Heimat´ in allen Facetten, Respekt auch für den Planeten, auf dem wir alle nur zu Gast sind. Beide Männer haben sich immer dagegen verwehrt, von der Politik oder einzelnen Parteien vereinnahmt zu werden, ob in der Demokratie oder in der Diktatur. Aber politischer und im besten Sinne ´basisdemokratischer´ hätte ihre Kunst kaum sein können“, so Platzeck.
Im Großen Potsdamschen Waisenhaus werden auf vier Etagen im denkmalgeschützten Haupttreppenhaus mehr als 100 großformatige Farbfotos, Plakate und originale Steinabreibungen ausgestellt.
Die beiden unermüdlichen und renommierten Zeitkritiker verbindet eine langjährige deutsch- deutsche Künstlerfreundschaft. So stammte 1981 das schon legendäre Plakat für die Ausstellungen von Staeck in Dresden und in Ostberlin aus der Hand von Butzmann. Es zeigte ein Motiv von Staeck, eine leere Sardinenbüchse als Kopf, und verkündete lapidar und hintersinnig „ Die Gedanken sind frei – vom 12. Dezember bis zum 19. Dezember.“ Klaus Staeck ist seit 2006 Präsident der Akademie der Künste in Berlin. Manfred Butzmann lebt in Potsdam-Bornim.
(aus der Pressemitteilung von Jörg Räder, Büro der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg)