Bissige Plakatkunst – Klaus Staeck in der Stuttgarter Staatsgalerie

Beitrag von Silke Arning, SWR Kultur, 23.7.2024

Mit scharfem Blick und noch schärferen Worten nimmt der Heidelberger Grafiker und Aktivist Klaus Staeck das politische Weltgeschehen aufs Korn. Mit seinen Plakaten und Postkarten mischt er sich in aktuelle Themen wie Krieg, Flucht, Migration, Umweltschutz und Artensterben ein. Die Stuttgarter Staatsgalerie, die über eine umfangreiche Plakatsammlung verfügt, zeigt eine Auswahl Staeck-Plakate von den 1970ern bis 1990ern – auch um die Aktualität dieser Werke zu demonstrieren.

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Kunst-Klassiker ironisch kommentiert

Albrecht Dürer, Édouard Manet, Caspar David Friedrich, Carl Spitzweg, Eugène Delacroix: Man könnte sich in einer Sammlung Großer Meister wähnen, wären da nicht diese sehr pointierten, ironischen Anmerkungen, mit denen Klaus Staeck seine Plakate gespickt hat. Da Vincis „Mona Lisa“ lächelt vom Rollstuhl aus. Darüber der Kommentar: „Niemand ist vollkommen“.

Spitzwegs „Armer Poet“ sinniert unter der fett gedruckten Überschrift: „Nur die Armut gebiert Großes“. Unterschrift: „Autoren fordern Tarifverträge.“ 

„Niemand ist vollkommen“: Klaus Staecks Version der Mona Lisa sitzt im Rollstuhl.

Nahbare Kunst

Diese Klassiker der Kunstgeschichte, die vom Heidelberger Grafiker und Aktivist Klaus Staeck bearbeitet wurden, habe sie ganz bewusst für diese Ausstellung zusammengestellt, sagt Karin Eisenkrein, wissenschaftliche Volontärin an der Stuttgarter Staatsgalerie.

„Es geht eigentlich darum zu zeigen, dass Kunst, wenn sie im Museum hängt, und gerade wenn sie unter Glas ist, wenn sie in einer Vitrine liegt, auf den ersten Blick etwas unnahbar scheint“, so Eisenkrein. „Und er versucht eben dadurch, dass er sie auf Plakate druckt – und Plakate sind für die Öffentlichkeit bestimmt, für den öffentlichen Raum, für den Außenbereich – diese in die Gesellschaft zurückholt und sie zum Teil des politischen Diskurses macht.“             

Kleine Sticker weisen den Weg in die Gegenwart: Die Apokalyptischen Reiter nach Albrecht Dürer von Plakatkünstler Klaus Staeck.

Es ist faszinierend, mit wie wenig Mitteln der Plakatkünstler Staeck maximale Wirkung erzeugt. Dürers „Apokalyptische Reiter“, eine schwarz-weiße Grafik, bekommen lediglich vier dicke rote Aufkleber verpasst: „Amazon, Facebook, Google und Apple“.  

Sehr subtil auch die Eingriffe bei der kleinen Gesellschaft von Manets „Frühstück im Grünen“: im Hintergrund parkt der Mercedes, Kühltasche und Cola-Dosen sind auch dabei. Geradezu harmonisch integrieren sie sich in das Picknickvergnügen.

„Störer der bequemen Verhältnisse“

Mit seiner Arbeit in die Öffentlichkeit zu kommen, ist für den „Störer der bequemen Verhältnisse“, wie sich Klaus Staeck selbst betitelt, durchaus eine Herausforderung.

Bereits 1971: Weil seine signierten und nummerierten Siebdrucke sowie Holzschnitte mit 25,30 DM den kleineren Galerien zu teuer sind, lässt er anlässlich der großen Dürer-Ausstellung 1971 in Nürnberg einen Versuchsballon platzen. Sein Motiv: Dürers Mutter – versehen mit der Unterschrift „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“ 

„Er hat von seinem Partner, dem Drucker und Verleger Gerhard Steidl, 330 Plakate dieses Motivs drucken lassen, die sie dann im Rahmen der Plakat-Aktion anonym an Litfaßsäulen angebracht haben. Von dieser Aktion wusste niemand und die Resonanz war natürlich groß. Die Aktion sorgte für sehr viel Aufmerksamkeit. Ein glücklicher Zufall war, dass zur selben Zeit der Haus- und Grundbesitzerverein in Nürnberg tagte, die öffentliche Wirkung dadurch verstärkt wurde. Und seitdem ist er eben beim Plakat geblieben“, sagt Karin Eisenkrein.

Klaus Staeck, Neue Ernte, 1986, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung (erworben 1987: Land Baden-Württemberg).

Plakat als Werkzeug im gesellschaftspolitischen Diskurs

Der Jurist und Aktivist Klaus Staeck, der aus der DDR 1956 nach Heidelberg gezogen ist, entdeckt das Plakat als Werkzeug, um sich zunehmend in gesellschaftspolitische Diskussionen einzubringen.

Und seine Kommentare sind ätzend: Vor dem Hintergrund einer vermüllten und mit Abgaswolken geschwärzten Landschaft posiert ein Hochzeitspaar. Überschrift. „Bis dass der Erstickungstod uns scheidet“. Mit diesem Plakat geht Staeck ganz direkt auf Konfrontation mit der Politik, in diesem Fall mit dem hessischen Umweltministerium.

Staeck-Plakate lösen „Bonner Bildersturm“ aus

1976 kommt es zu einem Vorfall, der als „Bonner Bildersturm“ in die Geschichte eingegangen ist, sagt Karin Eisenkrein von der Stuttgarter Staatsgalerie: „Wo eben Abgeordnete Staeck-Plakate, die in der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn ausgestellt waren, von den Wänden rissen und zerrissen. Als Reaktion darauf schuf er das Plakat ,Auf Eigentum kommt es hier nicht an‘, was eben eine Fotografie dieses Vorfalls und der am Boden liegenden zerrissenen Plakate zur Grundlage hat. Also das waren eben Parteien, die sich aufgrund der drastischen Motive angegriffen gefühlt haben.“

„In jedem Urlaub werden Millionen Deutsche zu Ausländern“ textet Klaus Staeck zur perfekten Urlaubsidylle. Mit Plakaten wie diesem will der Künstler aufrütteln und Diskurse mitgestalten.

Umweltverschmutzung und Artensterben, Aufrüstung, Krieg und Flucht: Die Ausstellung „Vorsicht Kunst! Das politische Plakat von Klaus Staeck“ im Grafik-Kabinett führt auf unspektakuläre Weise vor, dass sich die Themen seit 50 Jahren eigentlich nicht verändert haben.

Das ist einfach nur sehr ernüchternd, zuweilen auch beschämend. So zeigt ein Plakat eine Szene aus dem Traumurlaub: ein junges Pärchen beim Sonnenbaden, weißer Sandstrand, grüne Palmen und herrlich blauer Himmel. Die perfekte Idylle. Darunter der trockene Kommentar von Klaus Staeck. „In jedem Urlaub werden Millionen Deutsche zu Ausländern.“

Die Ausstellung „Vorsicht Kunst! Das politische Plakat von Klaus Staeck“ ist noch bis 29. September 2024 im Grafik-Kabinett der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen.

ZKM Karlsruhe stellt einen 3D Scan des Ateliers von Klaus Staeck vor

Am ZKM trifft Medienkunst auf das Atelier des Karikaturisten und Grafikdesigners Klaus Staeck aus der Stadt Heidelberg. Mithilfe von zwei unterschiedlichen Aufnahmetechniken wird das Atelier digitalisiert, sodass ihre Kombination ein detailgetreues Durchlaufen des Ateliers erlaubt.
Dazu wird mit Matterport zunächst ein Überblick des Ateliers erstellt, bevor es anschließend durch das Gaussian Splatting an Tiefe gewinnt: Mehr als 5.000 Fotos werden über einen Algorithmus zu einer Volumengrafik kombiniert, um bestmögliche 3D-Konstruktionen zu erzielen und den künstlerischen Wert des Ateliers von Klaus Staeck zu erhalten.

Das ist ein gemeinsames Projekt vom ZKM, Kulturamt Heidelberg und Klaus Staeck. Es wurde angestoßen von Dr. Andrea Edel, Leiterin des Kulturamtes Heidelberg. (Link zum ZKM)

Vorsicht Kunst! Das politische Plakat von Klaus Staeck

Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart, 19.7. – 29.9.2024

Abbildung: Klaus Staeck, Schöne Aussichten, 1987, Offsetdruck, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, erworben 1987 Land Baden-Württemberg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2024.

„Fast 40 Jahre nach der Ausstellung »Das exotische Plakat« im Jahr 1987 zeigen wir mit den politischen Plakaten von Klaus Staeck nun wieder einen Ausschnitt unserer umfangreichen Plakatsammlung. 

Der Graphiker, Rechtsanwalt und Aktivist Klaus Staeck setzt sich in seinen Collagen seit den 1970er-Jahren mit Themen wie Umwelt, Konsum, Krieg, Migration, Ausbeutung, Identität und sozialem Ungleichgewicht auseinander. Die provozierenden Text-Bild-Kombinationen seiner Plakate appellieren mittels Ironie und Überspitzung an das kritische Bewusstsein des Publikums, um auf Missstände in unserer westlichen Gesellschaft aufmerksam zu machen.

Die Ausstellung »Vorsicht Kunst!« zeigt im Graphik- Kabinett eine Auswahl davon aus den 1970er- bis 1990er- Jahren und prüft diese vor dem Hintergrund heutiger gesellschaftlicher Diskurse auf ihre Aktualität. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt erstmals auf den Plakaten, in denen Staeck Klassiker der Kunstgeschichte von Dürer bis Manet neu interpretiert und die Kunst durch die Übertragung auf das Massenmedium Offsetdruck in ihrer Funktion, Wirkung und gesellschaftlicher Rolle neu bewertet. Seit Ende der 1960er-Jahre setzt sich Klaus Staeck unter dem Credo »Die Kunst findet nicht im Saale statt.«, zusammen mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, darunter Joseph Beuys, in verschiedenen Aktionen für die Freiheit und eine Demokratisierung von Kunst ein.“ (Ankündigungstext der Staatsgalerie Stuttgart)

Staatsgalerie Stuttgart
Konrad-Adenauer-Str. 30 – 32
70173 Stuttgart

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SWR Kultur zur Plakatausstellung in der Stuttgarter Staatsgalerie  im Grafik-Kabinett. Link zum Beitrag des SWR

Plakate für den Umweltschutz im MAK, Wien

Ausstellungsansicht, Foto MAK, Christian Mendez

„Hitzerekorde und Extremwetter sind, wie es scheint, das neue Normal. Das 2015 unterzeichnete Pariser Klimaschutzabkommen ist de facto gescheitert. Im Plakat Forum zeigt das MAK Plakate zum Thema Umweltverschmutzung und Klimawandel des Grafikdesigners, Juristen, politischen Aktivisten und frühen Mahners für die Umwelt, Klaus Staeck .“ (aus der Ausstellungsankündigung des MAK)

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Solidarität mit dem russischen Menschenrechts-Aktivisten Oleg Orlow!

Oleg Orlow wurde am 27.02.2024 zu zweieinhalb Jahren Lagerhaft verurteilt. Als Mitglied der Menschenrechtsorganisation MEMORIAL war er an der Seite von Sergej Kowaljow mehrfach zu Gast in der Akademie der Künste.

Als Ehrenpräsident der Akademie protestiere ich gegen dieses Gesinnungsurteil. Es wurde verhängt, weil Orlow nach dem russischen Einmarsch in einem in der französischen Internetzeitung Mediapart  veröffentlichten Artikel die Aggression gegen die Ukraine einen Krieg nannte. „Sie wollten den Faschismus, sie haben ihn bekommen“, lautete der Titel. Das Urteil gegen Oleg Orlow richtet sich auch gegen die inzwischen verbotene Organisation MEMORIAL.

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Mehr als 18.000 nehmen teil an Demo gegen rechts in Heidelberg!

Wie überall in der Bundesrepublik versammelten sich am 20. Januar auch in Heidelberg Bürgerinnen und Bürger, um gegen aufkommenden Rechtsextremismus und gegen verfassungsfeindliche Positionen der AfD zu protestieren. Mehr als 100 Gruppierungen aus der Stadt und der Umgebung schlossen sich dem Bündnis „Nie wieder ist jetzt – gemeinsam stark gegen rechts“ an und demonstrierten für den Erhalt der Demokratie.

Die Protestbewegung hat sich vor der Wahl zum Europaparlament im Juni und zu den nächsten Landtagswahlen im September gerade noch rechtzeitig formiert. Das weckt bei den AfD-Funktionären nicht nur Nervosität sondern – Beispiel Höcke – auch Perfidie:

„Man hat zwar Taschenlampen, also Handyleuchten, in den Himmel gehalten. Aber es sah so ein bisschen aus wie 1933 die Fackelmärsche der Nazis,“ sagte Björn Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag bei einer Bürgersprechstunde über die Demonstranten vor dem Volkshaus in Gera-Zwötzen.

Höcke wird in einem Bericht weiter zitiert: „Ich sage das ausdrücklich in Richtung der ausländischen Kamerateams: Deutschland ist im Jahr 2024 keine funktionierende Demokratie mehr.“ (…) „Die Kartellparteien, vor allem die Roten und Grünen, haben sich eine Straßenkämpfertruppe zusammengebaut. Diese Gutmenschen, oftmals steuerfinanziert, die da die Lichter in die Höhe gehalten haben, das sind dieselben Menschen, die 1933 die Fackelmärsche in Nazideutschland veranstaltet haben.“ *

Der Thüringer Verfassungsschutz hat Höckes Landesverband als gesichert rechtsextrem eingestuft. Er selbst darf nach einer Entscheidung des Meininger Verwaltungsgerichts vom September 2019 als Faschist bezeichnet werden.

Erst vor wenigen Tagen unterstellte Höcke (in einer offiziellen Stellungnahme des von ihm geführten Landesverbandes) Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) einen „totalitären Charakter“ und die Absicht, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu bekämpfen.

Fazit: Nicht nur Höckes verbale Radikalisierung schreitet fort – auch andere Exponenten der Partei heizen die Stimmung an. Aber mehr als 1,5 Millionen Menschen haben inzwischen eine Petition unterzeichnet, Artikel 18 des Grundgesetzes gegen Björn Höcke anzuwenden, um ihm das aktive und passive Wahlrecht zu entziehen. Diese Initiative und hunderttausende Demonstranten gegen rechts, von München bis Hamburg an einem Wochenende im Januar, verteidigen eine wehrhafte Demokratie in diesem Lande.

* zitiert nach dem Berliner „Tagesspiegel“

Wehrhafte Demokratie: Höcke stoppen!

Campact-Aufruf für die Unterschriftenaktion

Das Kampagnen-Netzwerk Campact hat auf Initiative des Physikers Indra Gosh eine Petition verbreitet, die in wenigen Wochen bis zum 21. Januar 2024 von mehr als 1,5 Millionen Unterstützern unterschrieben wurde. Damit ist ein nötiges Quorum erfüllt: Ab 50.000 Unterzeichnern müsste sich – wenn die Petition eingereicht werden würde – der Petitionsausschuss des Bundestags damit befassen und Gelegenheit zur Anhörung geben. Es geht darum, dem Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke die Grundrechte zu entziehen. Dafür müßte die Bundesregierung beim Bundesverfassungsgericht einen Antrag auf Grundrechtsverwirkung nach Artikel 18 Grundgesetz stellen. Die Petition richtet sich an die Fraktionsspitzen aller Bundestagsparteien (außer der AfD).

Um Extremisten die Grundrechte zu entziehen, muss deren Missbrauch „zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ nachgewiesen werden. Über die Grundrechtsverwirkung kann ausschließlich das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Die Grundrechtsverwirkung ist neben dem Parteiverbot ein Instrument der „wehrhaften Demokratie“.

Das Online-Portal der SPD, „VORWÄRTS“, schreibt dazu:

Bundestag, Bundesregierung oder Landesregierung können Antrag stellen

Laut Grundgesetz können insbesondere die politisch relevanten Grundrechte entzogen werden, also Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, aber auch das Eigentumsrecht. Im Bundesverfassungsgerichtsgesetz ist zudem vorgesehen, dass auch das Wahlrecht und die Befugnis, öffentliche Ämter auszuüben, entzogen werden können. Nicht zuletzt darauf zielt die Petition im Vorfeld der Thüringer Landtagswahl, die für September geplant ist. Höcke ist Spitzenkandidat der AfD und will Ministerpräsident werden. Einen Antrag auf Entziehung der Grundrechte können laut Gesetz lediglich Bundestag, Bundesregierung oder eine Landesregierung stellen. Bürger*innen können also nur an die Staatsorgane appellieren, diesen Weg zu gehen.

Bisher gab es in Deutschland vier Anträge auf Entziehung der Grundrechte. Betroffen waren ausschließlich Rechtsextremisten: Otto-Ernst Remer (Vize-Vorsitzender der verbotenene Sozialistischen Reichspartei), Gerhard Frey (Verleger der Nationalzeitung) sowie die Neonazis Thomas Dienel und Heinz Reisz. Alle vier Anträge wurden vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt.

Auch wenn eine Karlsruher Entscheidung vor der Thüringer Landtagswahl schwierig zu realisieren wäre, würde der massive öffentliche Protest gegen die Kandidatur eines als Faschist auftretenden AfD-Politikers ein Zeichen setzen, dass die „wehrhafte Demokratie“ lebendig ist und verteidigt werden kann.

Im September wird in Thüringen ein neuer Landtag gewählt. Die AfD könnte erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland werden, obwohl der Thüringer Verfassungsschutz diesen Landesverband bereits im März 2020 als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft hat und im darauffolgenden Jahr zum erwiesen extremistischen Beobachtungsobjekt erklärte. Der Verfassungsschutzbericht 2022 des Freistaats Thüringen stellte fest: „Der AfD Landesverband Thüringen ist eine erwiesen rechtsextremistische Bestrebung gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Der Landesverband vertritt seit Jahren Positionen, die sich gegen die Menschenwürde, gegen das Demokratie- und gegen das Rechtsstaatsprinzip richten. Im Berichtszeitraum ist keine politische Mäßigung eingetreten. Im Gegenteil gelten die unter den genannten Begriffen zusammengefassten verfassungsfeindlichen Positionen, die sich in ziel- und zweckgerichteter Weise gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richten, als die beherrschende und weitgehend unumstrittene politische Ideologie innerhalb des Landesverbandes.“

Landes-Parteichef Björn Höcke, der nach einer Feststellung des Verwaltungsgerichts Meiningen aus dem Jahr 2019 als „Faschist“ bezeichnet werden darf, ist als Rechtsextremist einer der einflussreichsten Politiker der AfD.

Hier der Link zur Campact-Unterschriftenaktion.

Vor 70 Jahren – Erinnerungen an den 17. Juni 1953 in Bitterfeld

Klaus Staeck nach der Gedenkveranstaltung zum 17. Juni am Denkmal des Bitterfelder Aufstandes im Gespräch mit Oberbürgermeister Armin Schenk.

Paul Werner Wagner im Zeitzeugen-Gespräch mit Klaus Staeck während des Symposiums im Industrie- und Filmmuseum Wolfen

Welche Rolle spielte der Protest der Arbeiter von Bitterfeld und Wolfen vor 70 Jahren im Rahmen des Volksaufstandes des 17. Juni? Dieser Frage widmete sich ein Symposium, zu dem die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und die Friedrich-Ebert-Stiftung in das Wolfener Industrie- und Filmmuseum eingeladen hatten. Dem Kurator und Journalisten Paul Werner Wagner gelang es, eine Reihe von Experten, darunter Historiker, Kulturwissenschaftler, Publizisten, zusammenzubringen, die belegten, dass Streiks und Aufruhr das gesamte Land und nicht nur Ost-Berlin erfaßt hatten. Besonders gewürdigt wurde der Anteil des Elektromonteurs Paul Othma. Ihm war es wesentlich zu verdanken, dass die Demonstrationen, die zur Bitterfelder Festwiese am heutigen Robert-Schumann-Platz führten, friedlich und ohne Ausschreitungen blieben. Das Symposium endete mit einer beeindruckenden Lesung des aus Halle stammenden Schauspielers Michael Kind, der Briefe aus dem Gefängnis vortrug, die Othmar in mehr als zwölfjähriger Haft ohne Aussicht auf Begnadigung schrieb.