Klimaschutz ist Überlebensstrategie

Kolumne vom 28.6.2018

Auf dem Weg, seine Klimaschutz-Ziele zu erreichen kommt Deutschland nicht voran. Statt – wie geplant – bis 2020 die klimaschädlichen Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken, haben wir bestenfalls mit einem Minus von etwa 32 Prozent zu rechnen. Continue reading Klimaschutz ist Überlebensstrategie

zur Beuys-Debatte: „Demokratie ist lustig“

Beuys war ein Menschenfischer, der mit jedem sprach. Kann man ihm das vorwerfen?
Von Klaus Staeck

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass sogar die zweite, um einige Quisquilien erweiterte Auflage eines Buches eine derartige Aufmerksamkeit erfährt. So geschehen mit dem Pamphlet des Autors Hans Peter Riegel, das über weite Strecken sich als Beuys-Biografie tarnt. Wenn man Riegel Glauben schenken will, dann bewegte sich Beuys vorzugsweise in einem dumpfen Umfeld von Finsterlingen der braunen Art.
Als einer der Kronzeugen für diese These wird ausgerechnet der in der Tat völkisch zu verortende Bauer Baldur Springmann benannt, dessen Beitrag zur Kunstgeschichte darin besteht, dass er während einer Documenta auf den Stufen des Kasseler Museum Fridericianum eine Fuhre Mist ablud.
Richtig ist, dass beide zu einer Anhörung nach Brüssel eingeladen worden waren. Anschließend äußerte sich Beuys über diesen Wunderling derart abfällig, dass der einem fast leidtun konnte. Abenteuerlich, sich vorzustellen, dass ausgerechnet der Documenta-Dauerteilnehmer Beuys mit Bauer Springmann gleichen Sinnes gewesen sein könnte.
Gleichzeitig unterstellt Riegel Beuys eine Nähe zu dem 1981 von reaktionären Professoren in Umlauf gebrachten rassistischen „Heidelberger Manifest“. Pech für ihn, dass sich in meinem Archiv ein eigenhändiges Beuys-Notat mit folgendem Text befindet: „Die Schweine müssen sich eigentlich rassisch sehr rein vorkommen.“ So sein Kommentar zu den Autoren. Deutlicher und drastischer kann man sich von derlei völkischem Gedankengut nicht distanzieren.
Es bleibt die Nähe zu Rudolf Steiner, der von Riegel als rassistisch-esoterisch eingeordnet wird. Beuys hat sich in der Tat oft auf den Anthroposophen berufen und ihn auf seine Weise interpretiert. Ich habe Beuys über all die Jahre stets geerdet und jeder Esoterik unverdächtig erlebt.
Nach Riegels Lesart bin auch ich wohl, der ein Leben lang als Linker eingenordet und oft genug deshalb kritisiert wurde, ein Rechter, ohne es selbst bemerkt zu haben. Eine Art Simplicius Simplicissimus. Aber wenn sogar Rudi Dutschke diesen gebrandmarkten Dunstkreis rechten Raunens bereichert haben soll, ist es an der Zeit, nach den insinuierten Verdächtigungen und Unterstellungen den Filzanzug wieder auf die Füße zu stellen.

Der Beitrag erschien am 15.5.2018 in der Süddeutschen Zeitung als Reaktion auf eine Rezension zu zweiten Auflage der Beuys-Biographie von Hans Peter Riegel.

Weitere Beiträge zur Beuys-Debatte in der Süddeutschen Zeitung:
Mysterien im Hauptbahnhof
Hans Peter Riegel wirft Joseph Beuys seine Nähe zu Stukafliegern und Altnazis vor. Aber konnte der Künstler wissen, mit wem er es zu tun hatte? Tatsächlich suchte er die Nähe zu Figuren wie Petra Kelly. Von Eugen Blume

Einspruch I, Politisch offen
Joseph Beuys‘ in Italien entstandene Werke belegen seine Suche nach einer politischen Position. Doch Kontakte zu linken Gruppierungen Italiens werden von Hans Peter Riegel ausgeblendet. Von Petra Richter

Einspruch II, Passt nicht
Dass die Fettecken von Joseph Beuys manche Interpreten durcheinanderbringen, ist nachvollziehbar, kaum aber, dass der „Führer“ mit Fettecken gefeiert werden kann. Sind alle Nicht-Linken rechts? Von Johannes Stüttgen

Klaus Staeck – Flagge zeigen:

Plakate aus der Ausstellung „Kunst trotz(t) Ausgrenzung“

45. Kabinettausstellung im Evangelischen Zentrum

„Kaum ein Vorurteil hält sich hartnäckiger als jenes vom Schweigen der Künstler.“ – schreibt Klaus Staeck, der 1994 befreundete Künstlerinnen und Künstler dazu aufrief, unter dem Titel „Flagge zeigen“ künstlerisch gegen Gewalt, Fremdenhass und Verdrängung sowie für die Verteidigung der Demokratie Stellung zu beziehen.

Heute, da Rechtspopulisten in die Parlamente einziehen und antidemokratisches Gedankengut wieder salonfähig wird, sind seine Plakate aktueller denn je. Auf der Bischofsetage im Evangelischen Zentrum sind sie nun wieder zu sehen.

Mittwoch, 16. Mai bis 11. August 2018
Ausstellungseröffnung Dienstag, 15. Mai, 13 Uhr

Begrüßung: Bischof Dr. Markus Dröge
Einführung: Klaus Staeck, Ehrenpräsident der Berliner Akademie der Künste

Evangelisches Zentrum Berlin, Georgenkirchstraße 69, 10249 Berlin-Friedrichshain, Haus 2, 4. Etage; geöffnet Mo-Fr 9-17 Uhr

Die Plakatserie ist Teil der Wanderausstellung „Kunst trotz(t) Ausgrenzung“, die seit Februar 2018 bis Ende 2019 an verschiedenen Orten in Deutschland zu sehen ist: www.kunst-trotzt-ausgrenzung.de

Mit Arbeiten von: Max Bill, Klaus von Bruch, Manfred Butzmann, Carlfriedrich Claus, Christo, Felix Droese, Ulrich Erben, Rupprecht Geiger, Jochen Gerz, Günter Grass, Michael Morgner, Harald Naegeli, Olaf Nicolai, Wolfgang Nidecken, A.R. Penck, Raffaell Rheinsberg, Borislav Sajtiniac, Daniel Spoerri, Klaus Staeck, Rosemarie Trockel, Günter Uecker und Tomi Ungerer.

Eine Kooperation mit der Diakonie Deutschland.

Weitere Informationen:
Pfarrer Hannes Langbein  |  Geschäftsstelle der Stiftung St. Matthäus:
Tel. 030 28395283  |  Fax: 030 28395187 |  info@stiftung-stmatthaeus.de
www.stiftung-stmatthaeus.de

Die Kabinettausstellungen im Evangelischen Zentrum sind ein Projekt des Kunstbeauftragten der Evangelischen Kirche (EKBO) und der Stiftung St. Matthäus. Mit den regelmäßigen Einladungen von Künstlerinnen und Künstlern zu den Kabinettausstellungen bekräftigt Bischof Markus Dröge sein Interesse am Dialog mit der zeitgenössischen Kunst.