Die Kunst findet nicht im Saal statt!

Der politische Plakatkünstler Klaus Staeck

Film von Andreas Ammer, Premiere zur Filmschau Baden-Württemberg am Donnerstag, 5. Dezember 2019, 20 Uhr, Metropol 2

Aus dem Pressetext: „Staeck wurde 1938 geboren. Das heißt, er gehört zu jener Generation von deutschen Intellektuellen, deren bewusstes Leben mit der Geschichte der Bundesrepublik in Eins fällt. Er hat diese Geschichte nicht nur künstlerisch begleitet und politisch kommentiert, sondern ist gestaltend ihr Teil geworden. Klaus Staeck gilt als bedeutendster politischer Grafiker und Plakatkünstler der Bundesrepublik, der mit seiner Kunst seit Ende der sechziger Jahre immer wieder pointiert und provokant die Missstände in Politik und Gesellschaft anprangert.

Andreas Ammer zeigt in seinem Dokumentarfilm ein eindrucksvolles, inspirierendes Bild des Künstlers, Aktivisten und Menschen Klaus Staeck. Er begibt sich mit ihm auf die Spuren seiner Kindheit in Bitterfeld, begleitet ihn zu wichtigen Stationen seines künstlerischen Schaffens in Heidelberg und Berlin und lässt Weggefährten aus Kunst und Politik zu Wort kommen – darunter der weltweit gefragte Verleger Gerhard Steidl sowie Martin Schulz und Monika Grütters. Dabei springt Ammer immer wieder zwischen den Zeiten – dem jungen und dem nun über 80-jährigen Klaus Staeck. Private Filmaufnahmen Staecks geben Einblicke in die frühe Zeit seiner Aktionskunst. Der Film erzählt spannend, informativ und einfühlsam – mit schönen Ruhepunkten, die Andreas Ammer gefühlvoll musikalisch untermalt.“

Mehr Demokratie wagen

Kolumne vom 22. 8.2019

Wie sinnvoll ist es, die letzten Tage vor den beiden Landtagswahlen permanent auf die aktuellen Umfragewerte zu starren und dabei die Zukunft aus dem Auge zu verlieren? Wer noch nicht auf der Leimrute der Rechtspopulisten festklebt, sollte erkennen, dass er mit Angst, Resignation oder der Protesthaltung „nun zeigen wir es denen mal“ nichts anderes tut, als das Geschäft derer zu betreiben, die unsere Demokratie erledigen wollen. Mehr Demokratie wagen weiterlesen

Brauchen wir eine Ökodiktatur?

Kolumne vom 8. August 2019

Es muss wohl um Höheres gehen, wenn der so viele Medien zeitgleich einen neuen Begriff promoten: Flugscham. Insoweit lagen die Organisatoren von „Fridays for Future“ ganz richtig, als sie kürzlich ihre Demo an den Tatort Flughafen Stuttgart verlegten, um an das schlechte Gewissen der Fluggäste zu appellieren. Welches Gewissen?

Brauchen wir eine Ökodiktatur? weiterlesen

Schöne neue Libra-Welt

Kolumne vom 25. Juli 2019

Am Sparkassenschalter einen Geldschein aus der Hand einer freundlichen Angestellten zu empfangen – gibt es das überhaupt noch? Wer Glück hat wird – sofern Personal sichtbar anwesend ist – an einen Automaten begleitet, wo die Kundschaft 80+ das kleine Einmaleins der Bedienung erklärt bekommt.
Aber immer häufiger lese ich die Nachrichten von der ungewissen Zukunft der Scheine und Münzen. Schöne neue Libra-Welt weiterlesen

Rassismus ist keine Kleinigkeit

Deutschlandradio Kultur, Sendung FAZIT | Beitrag vom 12.07.2019
SPD-Mitglied Klaus Staeck zum „Fall Sarrazin“
„Rassismus ist keine Kleinigkeit“
Klaus Staeck im Gespräch mit Britta Bürger

Im dritten Anlauf hat die Schiedskommission des Parteigericht den Weg für einen Ausschluss von Thilo Sarrazin aus der SPD freigemacht. Dieser kündigte an, in Berufung zu gehen. Die SPD müsse ihre Grundsätze verteidigen, meint Klaus Staeck.
„Wir wären eine arme Partei, wenn wir uns alles bieten ließen“, erklärt Klaus Staeck, ehemaliger Präsident der Akademie der Künste, Grafikdesigner, Jurist und SPD-Mitglied seit 1960, zum möglichen Ausschluss von Thilo Sarrazin. Es sei richtig, dass das Verfahren zumindest eröffnet wird – dabei sei es egal, ob es der Partei nützt oder schadet: „Eine Partei ist nun mal so, wie sie sich selbst definiert: eine Wertegemeinschaft. Und dagegen hat Sarrazin schon in erheblichem Maße verstoßen.“

Klaus Staeck sagt, die SPD sei kein „Briefmarkensammlerverein“ und dürfe sich nicht alles bieten lassen.

„Rassismus ist keine Kleinigkeit in dieser Gesellschaft. Und in all seinen Büchern und Ausführungen – Interview im Spiegel, etc. – wiederholt er immer dieselben Thesen, dass also nun die Überfremdung des deutschen Volkes stattfinde, dass die Ausländer mit ihren vielen Kindern daran Schuld seien, dass wir uns nicht mehr im eigenen Land wohlfühlen und all diesen Unsinn.“ Damit verletze Sarrazin Werte, für die auch Staeck seit vielen Jahren stehe.

Ein ehrenwerter Kampf für Solidarität

Ein möglicher Ausschluss Sarrazins habe dabei nichts mit mangelnder Toleranz für andere Meinungen innerhalb der SPD zu tun. Vielmehr müsse es einen Zusammenhang geben mit den anderen Mitgliedern der Partei. Es gebe eine Art von Feigheit, die sich als Toleranz tarne. „Nicht alles ist in einer Gruppe möglich, was man privat sagen kann. Ihm bestreitet doch niemand, dass er diese Thesen, die er nun im Übermaß verbreitet, dass er das machen kann. Aber er muss es dann künftig eben als Privatmann tun. Warum will er das unbedingt als SPD-Mitglied verbreiten?“
Auch wenn Sarrazin, der angekündigt hat, in Berufung zu gehen, dadurch mit seinen Thesen weiterhin im Rampenlicht der Medien stehen würde, gebe es nun mal Grundsätze, die man verteidigen müsse. „Sonst ist man keine Gemeinschaft mehr, die sich auf Solidarität geeinigt hat. Das ist schon, meine ich, ein ehrenwerter Kampf.“
(Text: Deutschlandradio Kultur, kpa)

Das Gespräch hören: