CAFÉ DEUTSCHLAND

IM GESPRÄCH MIT DER ERSTEN KUNSTSZENE DER BRD

KLAUS STAECK

BIOGRAFIE

Heidelberg, 01. April 2016

Franziska Leuthäußer: Ich habe gelesen, man wollte Sie in der DDR zu einer Maurerlehre überreden. Angeblich war das auch ein Grund, dass Sie 1956 in die Bundesrepublik übergesiedelt sind.

Klaus Staeck: Nein, ich bin bis zum Abitur in der DDR zur Schule gegangen. Mit allen Mühen, die sich ergaben, wenn man nicht stromlinienförmig mitschwimmen wollte. Ich habe früh gelernt, dass man sich entscheiden muss, ob man den opportunistischen Weg gehen möchte, den angepassten, oder doch im entscheidenden Augenblick widerspricht, wenn man mit dem, was die anderen von einem erwarten, nicht einverstanden ist.

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Was heißt hier etabliert?

Kolumne März 2016

Mit einer Mischung aus ungläubigem Staunen und Sorge beobachten viele Bundesbürger, wie sich in den USA der Multimilliardär Donald Trump auf dem Vorwahlen-Weg ins Weiße Haus von Sieg zu Sieg krakeelt. Einer der wichtigsten Bauklötze in seinem Feindbaukasten ist das blinde Agieren gegen „die Etablierten“, das Establishment, dessen höchst privilegierter Teil er ohne Zweifel selbst ist.

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McDonald Trump

Kolumne März 2016

Eine mir kürzlich von der Universität Landau angebotene Thomas-Nast-Gastprofessur habe ich gerne angenommen. Ich kannte die Karikaturen des berühmten Illustrators. Mit seinen zahlreichen bissigen Zeichnungen wurde er zum Chronisten der amerikanischen Gesellschaft. Um den ärmlichen Verhältnissen zu entfliehen, hatte er 1846 als 6-jähriger seine Heimatstadt Landau verlassen und war mit Mutter und Schwester nach Amerika ausgewandert.  Von ihm stammt der Elefant als Symbolfigur für die Republikanische Partei der USA. Was ich bisher nicht wusste, er hat auch das Dollar-Zeichen kreiert. 

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Schleuserkriminalität

Kolumne Februar 2016

„Google hat nach eigener Angabe vor zwei Jahren rund 11 Milliarden Euro aus Europa geschleust. Der Konzern spricht von legalen Methoden. Google überwies demnach die Summe über die Niederlande auf die Bermudas. Dort fallen nach Unterlagen von Google keine Steuern an“ – Originalzitat Deutschlandfunk, Freitag letzter Woche. Der Konzern legt offenbar Wert darauf, dass es sich bei dieser Variante der Steuerhinterziehung um einen ganz legalen Vorgang handelt, jenseits jeder Form von Schleuserkriminalität.

Als ich das hörte, musste ich an meinen ehemaligen Steuerberater denken. Er schwärmte geradezu von den zahlreichen „Gestaltungsmöglichkeiten“, die unser Steuerrecht anbietet. Sein Vorschlag: „Wenn Sie wollen, rechne ich Sie steuerlich auf null“. Ich wollte es damals nicht und will es bis heute nicht. Weil mir ein demokratisch organisierter funktionierender Rechtsstaat lieb und eben auch teuer ist.

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Elefantenroulette

Kolumne Februar 2016

In Anbetracht der sonstigen Probleme hat die Diskussion im Vorfeld der sogenannten „Elefantenrunde“ im Fernsehen etwas Gespenstisches. Nach dem ständigen Vor und Zurück, dem Hin und Her der in Frage kommenden Teilnehmer und ihrer Sekundanten werden inzwischen wohl die wenigsten Beobachter dieses Treibens eine verlässliche Auskunft über den letzten Stand der Dinge geben können.

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Der polnische Nachbar

Kolumne 27. Januar 2016

In meinem Regal der Erinnerungen liegt auch eine Kassette, auf dem Deckel der polnische Adler in Gold. Innen eine handtellergroße Medaille. Auf der Vorderseite Mohnblumen und ein lateinischer Text, übersetzt: „Er kam uns zu Hilfe in Gefahren und gab uns Trost ins schwierigen Zeiten“. Auf der Rückseite das Wort DANKE in vielen Sprachen.

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Unter Dinos

Kolumne Januar 2016

In den Jahresrückblicken hatte er noch einmal einen großen Auftritt: „Tristan“, der Tyrannosaurus Rex. Erworben von einem reichen Geschäftsmann, schaffte es der findige Generaldirektor Johannes Vogel, das gut erhaltene Skelett dieses Urtiers als Leihgabe in sein Museum für Naturkunde nach Berlin zu holen. Ich besuche diesen Ort gern, dieses Depot der Vergänglichkeit und Beständigkeit, an dem sich jegliche aktuelle Hektik relativiert.

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Nach dem Gipfel

Kolumne 17. Dezember 2015

Nach den Attentaten der Islamisten gegen unsere europäische Art frei zu leben, wurde Paris plötzlich zum Ort des Schreckens. Ist diese Stadt nach dem Ende der Weltklimakonferenz nun ein Symbol der Hoffnung, dass die Erderwärmung noch zu stoppen ist? Jedenfalls will man verbindlich unter dem 2-Grad-Ziel bleiben. Ausgehend vom Ist-Zustand bescheinigen Wissenschaftler sogar eine 3-4-Grad-Erwärmung, wenn nichts Gravierendes geschieht.

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